Full circle

Im Studio in Sandhausen

Guten Tag.

Es ist 12:49 Uhr mitteleuropäischer Zeit, in einem WG-Zimmer irgendwo in Mannheim. Wir schreiben den 25.02.2013 und arbeiten seit Ende November an einem Album, das mich in den Wahnsinn treibt. Ein positiver Wahnsinn.

Die Art von Zermürbung und Haareraufen, die man beim Lösen eines zigtausendteiligem Puzzle erlebt. In 3-D. Vom Schloss Versailles. So irgendwie. 

Wir haben in akribischer, letztminütiger Arbeit noch neun von vermutlich zwölf Skizzen aufnahmefertig gemacht. Da waren viele Nächte dabei, einige kaffeedurchtränkte Morgen, einiges an: »Ey, das ist jetzt der sechste Mix von ein und demselben Song, ich WEISS. ES. EINFACH. NICHT. MEHR.« Und noch mehr Verzehr der ersten Gorburger-Show-Staffel und Andrew-W.K.-Fangirling.

An dieser Stelle möchte ich loswerden: Andrew W.K. ist vermutlich der lustigste Mensch der Welt. Und »Party Hard« sollte in jedem gut sortierten Single-Regal zwischen »Bohemian Rhapsody« und »Hey Jude« stehen. 

Der Song ist übrigens mein neuer Morgen-Handywecker-Song. Hat das Erbe meiner ewigen Handywecker-Eins angetreten. Seit meiner spätgezündeten Handyjugend wurde ich bis vor einer Woche immer mit Jay und Silent Bob geweckt:

»Mother-motherfuck
mother-motherfuck-fuck
motherfuck, motherfuck, noish noish noish
shmoookin weeeeed, shmoooookin weeeeed
doin coke, drinkin' beers
drinkin' beers, beeeeers, beeeeers
rollin' phatties, smokin blunts
who smokes the blunts? WE SMOKE THE BLUNTS.
«

Trauriger Weise kann ich das auswendig runterschreiben, ohne mithören zu müssen. Und ich kichere dabei wie nervöse Mädchen beim Schulsport. Wheeeew!!!

Ansonsten bin ich sehr stolz, sagen zu können, dass dies die erste Platte ist, die auch mit der Live-Band aufgenommen wird. Also Timur, Konrad, Michbeck, Daniel und Korbach, die im Übrigen echt viel an dem Album mitgeschrieben haben. Ein Experiment im gewissen Sinne, aber dennoch so Hollywood-Blockbuster-schön, mitzuerleben wie alles, wie man so schön sagt, »full circle« kommt. Viel Euphorie, gepaart mit leichter Nervosität und einem seltsamen Anflug von Aufgeregtheit umgibt mich. 

Die Jungs kommen gegen 14:27 Uhr hier an. Und ich denke, die fühlen so ähnlich.

Mir ist es wichtig, dass eine Platte rauskommt, die eben nicht perfekt klingt. Wo man kleine Stolperer drin hört, vielleicht ist hier und da im Hintergrund was umgefallen. Vielleicht ist hier und da ein Halbton zu tief oder ein Anschlag zu spät, aber dieses immer und ewige Geraderücken von allem ist schon irgendwie langsam ein bisschen seelenlos. Deswegen wird wohl weitestgehend live aufgenommen werden.

Mich haben immer Gesamtwerke fasziniert. Von der Stimmung über den Sound bis hin zum Titel und Artwork. Ein jüngeres Beispiel wäre da sicherlich The '59 Sound von The Gaslight Anthem, da stimmt von thematisch über musikalisch bis visuell meiner Meinung nach ziemlich viel bis alles. Ein »Älteres«, wenn man denn so mag, wäre vielleicht Murder Ballads von Nick Cave, das ich aktuell oft höre. Rain Dogs von Tom Waits gehört auf jeden Fall auch dazu.

Wie wichtig ist euch das denn? Also interessiert euch das ganze drumherum? Eine Stimmung, die auf alle Ebenen übertragen wird? Oder mache ich mir da zu viele Gedanken und es geht einzig um die Musik?

Im Übrigen gibt es noch keinen Albumtitel. Ich hatte einen, den ich sehr mag. Dann haben mich alle, von Mitmusikern bis Management ENTSETZT angeschaut und es wurde einstimmig für Schwachsinn erklärt.

Bis dann.

Es liebt
der Ben

Im Studio in Sandhausen

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